Lucien Castaing-Taylor & Ilisa Barbash „Sweetgrass“

Sweetgrass

Der Dokumentarfilm der Anthropologen und Filmemacher Lucien Castaing-Taylor und Ilisa Barbash begleitet drei Sommer lang die Schafhirten einer der letzten Familienranches in den Absaroka-Beartooth Mountains. Und tatsächlich, die Bilder der atemberaubenden Landschaft, der schier unendlichen Herden und der einsamen Hirten auf ihren Pferden halten, was die amerikanische Westernmythologie verspricht. Wir sehen echte Kerle bei einem der letzten Abenteuer dieser Erde. Doch die Regisseure haben Funkmikrophone an den Protagonisten des Filmes angebracht, die selbst noch in den Supertotalen die Kommentare der Schäfer aus intimer Nähe wiedergeben. Dem technischen Kontrast aus weitem Bild und engem Ton entspricht die Darstellung des Geschehens. Während wir einen romantischen Reiter vor seiner Herde sehen, hören wir, wie er seine Schäfchen als Schwanzlutscher und Huren verwünscht. Aber selbst wenn einer der einsamen Westernhelden auf einem wunderschönen Berggipfel übers Handy seine Mutter anruft und sich bei ihr jammernd über den nutzlosen Hund, den furchtbaren Job und seine ständigen Knieschmerzen beschwert, weicht die Romantik des Bildes nicht völlig dem Realismus des gesprochenen Wortes. Ein Rest des Mythos bleibt bestehen, verwittert wie die Felsen um die sanften Sommerweiden.

Sweetgrass

Lucien Castaing-Taylor & Ilisa Barbash, USA 2009, 115 min, OmU

Sweetgrass ist eine unsentimentale Elegie auf den amerikanischen Westen, eine alle Sinne ansprechende Beschwörung der Lebensumstände der letzten Schafhirten, die mit ihren Herden die Sommermonate auf den Wiesen der Beartooth-Berge in Montana verbringen. Ohne jeglichen Kommentar zeigt dieser ebenso schöne wie schonungslose Dokumentarfilm eine Welt, in der Natur und Kultur, Tiere und Menschen, Klima und Landschaft, Verletzlichkeit und Gewalt aufs Engste miteinander verbunden sind. (Forumskatalog 2009)
|